Deutsches Korporationswesen

Was ist eine Studentenverbindung?

Eine Studentenverbindung ist ein traditioneller humanistischer Freundschaftsbund von aktiven und ehemaligen Studenten einer Hochschule mit dem Ziel sich gegenseitig im Studium zu unterstützen und der Persönlichkeitsbildung (Förderung von Soft Skills) beizutragen.

Um von einer Studentenverbindung sprechen zu können, müssen mindestens folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Lebensbundprinzip
  • Demokratieprinzip
  • Traditionspflege (studentisches Brauchtum, akademischer Fechtsport)
  • Ideale wie Freiheit, Ehrlichkeit, Toleranz und Ehrenhaftigkeit.

Was bedeutet das im Einzelnen?

Lebensbundprinzip bedeutet schlichtweg, dass man sich einer Verbindung, der man sich als Student angeschlossen hat, für den Rest seines Lebens zugehörig fühlt. Wie das jedes Mitglied umsetzt ist ihm selbst überlassen. Viele Ehemalige (die sogenannten Alten Herren) kommen gerne zu unseren Veranstaltungen, schwelgen in Erinnerungen über ihre Zeit als Student und freuen sich darüber, junge Studenten kennenzulernen und löchern uns neugierig, was sich im guten alten Ilmenau so alles verändert hat. Darüber hinaus haben sie auch immer gute Tipps für uns parat, was sie im Studium vielleicht anders gemacht hätten oder erzählen von den Erfolgen und Misserfolgen beim Einstieg ins Berufsleben. Bei diesem Generationsaustausch lässt sich natürlich eine Menge lernen, in dem man z.B. die Fehler umgeht, die andere schon gemacht haben.

Die Burschenschaft Baltia-Gotia ist als ein bei der Uni eingetragener, studentischer Verein organisiert. Wie die studentischen Gremien, wie Fachschaftsrat oder StuRa, pflegen wir das Demokratieprinzip. Alle Entscheidungen die in der Verbindung getroffen werden, werden somit demokratisch von allen Mitgliedern beschlossen.

Unter Traditionspflege verstehen wir das Aufrechterhalten des studentischen Brauchtums. Dazu gehören unsere offiziellen Veranstaltungen, die sogenannten Kneipen, wo wir Studentenlieder aus längst vergangener Zeit singen, eine oder mehrere Reden geschwungen werden und alles recht gesittet aber lustig zugeht. Hin und wieder kommt es auch vor, dass Freunde der Verbindung, unter anderem Vertreter aus Wirtschaft und Lokalpolitik, unseren Kneipen beiwohnen und in ungezwungener Atmosphäre gute und hilfreiche Gespräche geführt werden. Als weitere Traditionspflege verstehen wir das Tragen von Farben (blaue Mütze und Burschenband in den Farben schwarz, blau und gold) sowie den akademischen Fechtsport. Dazu wird an anderer Stelle mehr erklärt.

Eine Gemeinschaft ist stets von Idealen geprägt. Der Leitspruch der Baltia-Gotia ist Ehre, Freiheit, Vaterland. Bei manch einem mögen diese Begriffe heutzutage vielleicht für Verwunderung sorgen aber was dahinter steckt ist eigentlich ganz einfach. Unter Ehre verstehen wir den verantwortungsvollen Umgang in und mit der Gemeinschaft. Dazu gehört der Respekt und die Achtung vor der Person, der Meinung und den Stärken und Schwächen des anderen, sowie der tolerante Umgang mit seinen Mitmenschen innerhalb und außerhalb des Bundes. Ebenso gehört es auch dazu zu seinem Wort zu stehen, sowie den anderen ehrlich und aufrichtig zu begegnen. Eine Eigenschaft, die in unserer heutigen Gesellschaft leider immer mehr an Bedeutung verliert. Für Egoismus ist bei uns kein Platz, für Individualismus allerdings schon. Jeder kann und soll sich, nach seinen Fähigkeiten in den Bund einbringen und entfalten. Zu dieser Freiheit gehören alle Aspekte die das Grundgesetz unter diesem Begriff versteht, wie Meinungsfreiheit und freie Entfaltung, etc.

Vaterland hingegen ist ein sehr weit gefasster Begriff, mit dem sich aber in erster Linie Verantwortung verbindet. So wie ein guter Mensch sein Kind nicht nur deshalb liebt, weil es brav oder intelligent ist, sondern einfach nur deshalb, weil es sein Kind ist, für das er die Verantwortung trägt, auch wenn es unartig war oder Schwierigkeiten im Leben hat, so tragen auch wir eine Verantwortung für unser Vaterland, egal ob es sich gerade im Wirtschaftswunder, in einer ausgelassenen WM-Party oder in einer tiefen politischen Krise befindet. Stolz ist nach Knigge nicht die Vorstufe der Überheblichkeit, sondern das edle Gefühl einer Verantwortung und seelischen Verbindung. Unser Stolz auf unser Vaterland ist daher auch keine Überheblichkeit, sondern das Bewusstsein dafür, dass unser Land das sein wird, was unsere Generation daraus macht.

Ist Verbindung und Burschenschaft eigentlich dasselbe?

Nein, die Burschenschaften sind nur eine bestimmte Art von Verbindung, nicht einmal die zahlenmäßig größte oder älteste. Der richtige Oberbegriff ist Verbindung oder Korporation. Es gibt akademische Korporationen (Studentenverbindungen) und Schülerverbindungen.

Unter den Studentenverbindungen gibt es neben den Burschenschaften z.B. noch die Corps, Landmannschaften sowie Turner- und Sängerschaften.

Das Missverständnis kommt vielleicht daher, dass bei praktisch allen Verbindungen die endgültig aufgenommenen Mitglieder – und nur diese – Burschen genannt werden.

Ein Mitglied einer Burschenschaft heißt hingegen Burschenschafter, das einer Landsmannschaft Landsmannschafter, und ein Mitglied einer Turnerschaft Turnerschafter. Der Oberbegriff für die Mitglieder der unterschiedlichen Verbindungen ist Korporierter oder Verbindungsstudent, und nicht etwa Bursch.

Behindert mich die Verbindung nicht im Studium?

Nein. Sicherlich kostet die Mitgliedschaft in einer Verbindung ein Stück Deiner Freizeit. Denn bei uns packen alle gemeinsam an, eine Konsumentenhaltung wirst Du bei uns nicht finden. Wie groß Dein Engagement allerdings ist, entscheidest Du selbst.

Als akademische Verbindung gilt bei uns das Studienprinzip. Das heißt, das Studium geht vor, aus keinem anderen Grund sind wir ja auch nach Ilmenau gekommen. Gerät ein Bundesbruder mit dem Studium in Schwierigkeiten, versuchen wir alle gemeinsam ihn mit Rat und Tat zu unterstützen. Darüber hinaus wird er von allen Ämtern und Verpflichtungen freigestellt, bis er sein Studium wieder im Griff hat.

Wie ist eine Studentenverbindung organisiert?

Eine Studentenverbindung besteht aus zwei organisatorisch getrennten Gruppen: Der Aktivitas und dem Altherrenverband (AHV).

Die Aktivitas besteht aus denjenigen Mitgliedern, die noch studieren, den sog. Aktiven. Der Altherrenverband besteht aus denjenigen, die die Hochschule verlassen haben, den Alten Herren.

Der Kern der Verbindung ist die Aktivitas. Der Aktivenverband regelt alle seine Angelegenheiten in demokratischer und freier Selbstverwaltung auf seiner Mitgliederversammlung, dem Convent.

Die Leitung der Verbindung liegt in den Händen von drei Aktiven, die vom Convent gewählt werden, den sog. Chargierten. Neben den Chargierten gibt es noch den Fuxmajor, der für die Betreuung und Ausbildung der Füxe – so heißen die Neumitglieder der Verbindung – zuständig ist, sowie einige andere Amtsträger, denen gewisse Rechte und Pflichten zuteilwerden.

Das Verbindungsleben findet im Wesentlichen während des Semesters statt. Dieser Zeitraum wird Couleursemester genannt und ist kürzer als das eigentliche Semester, da wir alle am Ende des Semesters die Zeit brauchen, um uns auf die Prüfungen vorzubereiten. Für das Couleursemester gibt es einen Veranstaltungskalender, das Semesterprogramm. Außerhalb des Couleursemesters ruht der Aktivenbetrieb, z.B. in den Semesterferien.

Sind Studentenverbindungen Geheimbünde?

Nein, ganz im Gegenteil. Ein Geheimbund versucht, seine Existenz zu verbergen. Das tun wir nicht. Wir stehen im Telefonbuch, unsere Satzung ist bei der Universität hinterlegt, unser Hausverein und Altherrenverband sind im Vereinsregister angemeldet und wir informieren im Internet über uns. Zu gewissen Anlässen tragen wir sogar unsere Farben (schwarz-blau-gold), um uns als Verbindungsstudenten zu erkennen zu geben! Öffentlicher geht es wohl kaum.

Was es allerdings gibt, ist das Conventsgeheimnis. Das kann man mit dem Gremiengeheimnis von Fachschaftsrat oder StuRa vergleichen, da es sich dann dort meistens um persönliche Angelegenheiten handelt, die Dritten nicht zugänglich sein sollen.

Schüler- und Studentenverbindungen wurden in der Geschichte vielfach bekämpft, verboten und unterdrückt und existierten dann im Geheimen. In unserer heutigen freien Gesellschaft besteht dazu keine Veranlassung.

Welche Hierarchien gibt es?

Eigentlich keine. Studentenverbindungen sind per Definition konsequent basisdemokratisch. Die Einteilung in Füxe, Burschen und Alte Herren hat nichts mit Hierarchien zu tun.

Die Leitung der Verbindung liegt in den Händen des Convents, der Mitgliederversammlung der studierenden Mitglieder (Alte Herren haben auf dem Convent kein Stimmrecht). Der Vorstand der Verbindung, bestehend aus den drei Chargierten, wird vom Convent gewählt und unterliegt der Kontrolle durch regelmäßige Convente, die gewöhnlich wöchentlich stattfinden. Selbstverständlich kann er jederzeit abgewählt werden. Der Erstchargierte der Verbindung ist nur Primus inter pares, d.h. Erster unter an Rang Gleichen, oder auch einfach Senior genannt.

Im übrigen werden Ämter immer nur für ein halbes Jahr vergeben. Das Rotationsprinzip gab es also bei den Verbindungen schon immer. Sowohl die ständige basisdemokratische Kontrolle durch die Convente als auch das Rotationsprinzip sind offenkundig antihierarchisch.

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